Von Christoph Kaaden
Bis zu 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen erleiden in jungen Jahren eine Zahnverletzung der ersten und/oder zweiten Dentition. Diese traumatischen Zahnverletzungen (z.B. Avulsion) können zu (sehr) ausgedehnten Verletzungen der Wurzelhaut führen. Kommt es hierbei zu Schädigungen von mehr als 20% der Wurzeloberfläche kann (ggf.) eine progrediente Wurzelresorption mit evtl. späterem Zahnverlust die Folge sein.
Bei einem avulsierten Zahn induziert die Reimplantation eine Entzündungsreaktion, bei der nekrotische Zellen des Zahnhalteapparates phagozytiert werden. In der weiteren Folge wird die Wurzeloberfläche dann wieder durch angrenzendes vitale Gewebe besiedelt. Da es sich hier jedoch zumeist um Zellen des umgebenden Knochens (und nicht des Parodontes) handelt, kommt somit Knochen in direkten Kontakt mit Wurzeloberfläche und führt schließlich zu einer dentoalveolären Ankylose.
Als einer der (ersten) klinischen Anhaltspunkte für eine (beginnende) Ankylose ist der metallische Klang bei Perkussion zu nennen.
Anbei unser jüngster Fall einer solchen Ersatzresorption.
Kurz zu den Hintergründen:
Bei dem 9 Jahre alten Rodrigo war Zahn 21 nach Avulsion alio loco erstversorgt, replantiert und geschient worden. Die nachfolgende notwendige endodontische Behandlung wurde uns übertragen.
Aufgrund der ungünstigen „Vorgeschichte“ (u.a. Replantation nach mehr als 60 min. trockener Lagerung) erfolgte nach chemo-mechanischer Reinigung des Kanalsystems zunächst „nur“ eine medikamentöse Einlage bei Verzicht auf eine definitive Wurzelkanalfüllung.
Das nachfolgende Kurzvideo verdeutlicht die Situation drei Monate nach Ca(OH)2-Einlage mit (beginnender) Ankylose und charakteristischem metallischen Klang bei Perkussion.
Die weitere Prognose des Zahnes ist daher leider als ungünstig einzuschätzen…

Ein weiser Entschluss, die Endo nur temporär auszuführen. Sonst bestünde die schöne Aufgabe, eine möglicherweise aus mehreren GP-Points bestehende und dann ggf. aufgedröselte WF aus dem Knochen entfernen zu müssen, wenn die Wurzelsubstanzen durch Knochen ersetzt wurden (Ersatzresorption) .
War das ein Perkussionsinstrument mit Hohlgriff? Wenn ja: feine Nuancen lassen sich besser mit einem soliden Instrument erfassen. In diesem Fall ist das nicht so relevant, der Zahn ist schon massiv ankylosiert.
Was ist nun geplant? So bleiben kann es ja nicht. Dekoronation, KFO, Transplantation?
Nebenbefund? Was ist mit Zahn 11 distal? Resorption?
Hallo Herr Pohl.
Geplant ist eine Dekoronation.
Der junge Pat hat aufgrund einer Lippen-Spalte schon eines hinter sich.
Viele Grüsse
Christoph Kaaden
PS. Verwenden Sie regelmäßig ein periotest Gerät in solchen Fällen?
Parbleu. Habe ich doch glatt die Frage übersehen.
Ja, wir verwenden das Periotestgerät grundsätzlich. Von Eckzahn zu Eckzahn im betroffenen Kiefer, von inzisal („vertikal“) und von vestibulär („horizontal“).
Die Daten beginnen wir gerade auszuwerten.
Bisherige Erfahrungen/Einschätzungen:
vertikal erlaubt frühere Diagnose
Einzeluntersuchung unzureichend, große Variabilität bei Normalwerten, es gibt gesunde Zähne mit PT 0.
D.h. immer vergleichend zu Nachbar-/kontralateralen Zähnen, und Entwicklung der Werte im Zeitablauf.
Beste Grüße
Yango Pohl
sh…
Es gibt gesunde Zähne mit Werten unter 0 und ankylosierte mit Werten größer Null.