Recording von Zeiss

von Oscar von Stetten 

Auf der IDS 2013 konnte man auf dem Zeiss-Stand eine ins Pico integrierte Recordingeinheit sehen. Explizit als „Technologiemuster“ ausgewiesen wurde die Einheit nun vor ca. 8 Wochen in unser Pico eingebaut. Im Zusammenspiel mit der für das Pico erhältlichen integrierten Full-HD-Kamera eine sehr nette Ergänzung.

Die Eckdaten lesen sich gut:

Streaming (live) ins Netz

Speicherung auf USB-Stick

Speicherung auf ein beliebiges Netzwerkverzeichnis

Capture Film / Bild

Wir sind gegenüber Videokameras und deren Fähigkeiten, Fotos zu machen, sehr skeptisch eingestellt. Das haben wir auch gegenüber Zeiss in der Vergangenheit häufig kommuniziert. Die Kamera sind wir schon gewohnt, das gelieferte Livebild ist in Ordnung, vergisst man nicht die Tatsache, dass wir es „nur“ mit einer 1-CCD-Kamera zu tun haben. Dafür ohne Kabelsalat und Adapterdrucheinander.

Bisher war das capturen von Filmen oder Bildern mit einer externen Verkabelung und einem externen Gerät, wie dem z.B. von uns stets und immer noch empfohlenen BlackmagicDesign Pro.h264-Recorder, verbunden. Der Workflow ist jedoch, abgesehen von einer guten Integration in z.B. Fotostation von Carsten Schafflhuber, etwas holprig. Man hatte Filme auf einem Speichermedium, die erst eingelesen, beschnitten und bearbeitet werden mussten. Oft nahm man alles auf, obwohl nur bestimmte Teilabschnitte der Therapie von Interesse waren. Stills (Photos) aus einem Film zu extrahieren ist nach wie vor ähnlich umständlich.

Uns störte die externe Verkabelung immer mehr, scheint ein Alterseffekt zu sein ;-) zudem war ein zusätzliches Gewicht am Pico für die Stabilität der Mechanik nicht von Vorteil. Wir haben ein Pico Mora, unser Dokumentationsausgang ist ein 80:20. Für die meisten Standalone / SLR Kameras viel zu wenig Licht, auch mit Xenon. Natürlich könnte mit der Nex-Serie von Sony ein adäquater Ersatz vorhanden sein, unsere Erfahrungen zeigen allerdings, dass es dafür den richtigen Fotoadapter braucht. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Den Bereich der High-ISO-Fotografie am Mikroskop wollen wir auch nicht näher betrachten, darum geht es hier nicht.

Die Installation der Einheit in unser vorhandenes Gerät wurde von einem Servicetechniker der Fa. Zeiss vorgenommen und dauerte ca. 2 Kaffees und 3 Stunden. Warum ein Techniker? Weil die Kamera als Nachrüsteinheit nach dem Einbau noch justiert werden muss. Da die Recordingeinheit ihren grössten Vorteil, die Netzwerkanbindung, erst mit einem eingerichteten und vorbereitetem Netzwerk ausspielen kann, gibt es VOR Installation einen kurzen Fragebogen mit den wichtigsten Punkten wie z.B. IP-Adresse, Netzwerkverzeichnis etc. Hat man diese Daten vorab, wird die komplette Einheit vom Techniker Nutzungsfertig hinterlassen. Wir haben allerdings knapp 4 Tage für die Einrichtung gebraucht, weil

a.) der Fragebogen bei uns nicht vor Installation ankam

b.) unser Elektriker beim Verlegen der Netzwerkleitungen und dem Messprotokoll wohl nicht soooo sauber gearbeitet haben

c.) unser SBS irgendwo gezickt hat und das sehr mühsam herauszufinden war

ALLE aufgelaufenen Fehler waren jedoch nie auf die Recordingeinheit zu schieben, die hat stets funktioniert. Unser Dank an Zeiss für die schnelle und unkomplizierte Hilfe bei der Durchsicht der Fehlerprotokolle an dieser Stelle…. wir mussten nicht einmal mit Veröffentlichung drohen ;-)

Dennoch, es war eine schöne Chance, mal wieder wie früher, mit einem Netzwerktester durch die Praxis zu krauchen und Kabel durchzumessen.

Der Techniker war wieder weg und wir überlegten jetzt, wie das denn jetzt mit den Bildern und Videos geht. Noch komplizierte, umständliche Workflows und Insellösungen gewohnt hat es uns ein wenig verstört dass die Recordingeinheit mittels der mitgelieferten Fernbedienung einfach das macht, was sie machen soll. Bilder und Filme. Fertig. Nichts mehr dazu zu sagen. Es funktioniert einfach. Man kann die Qualität der Filme einstellen, man kann wählen in welchem Format die Fotos abgespeichert werden, das wars. Die üblichen Parameter wie Helligkeit, Kontrast und Farbsättigung gehen auch noch. Vollkommen unspektakulär……

Na ja, es gibt auch Pferdefüsse….. die Kamera ist auch über einen integrierten Webserver  steuerbar. Um diese Möglichkeit zu nutzen, benötigt man zumindest unter Windows, den allerneuesten Internet Explorer….. Mac´s gehen gleich ;-) Dafür können Mac´s die Filme nicht ohne weiteres abspielen, das hat etwas mit den leidigen Codecs zu tun, aber es gibt Workarounds. Wer sich den VLC installiert, hat gar keine Probleme mehr, zur Not kann man mit diesem Programm auch die Videos recodieren, aber auch das ist ein anderes Thema….

Die Positionen der IR-Sensoren für die Fernbedienung am Gerät sind (so wurde mir versichert) in langen Testreihen eruiert worden. Wir sind zwar nicht sicher, wer das getestet hat und wie die Positionen zustande kamen, am Anfang ist es etwas fummelig bis man weiss, wohin die FB gerichtet werden muss. Allerdings ist das kein großes Problem, es gibt bei Amazon ein kleines Kästchen, einen sogenannten IR-Verlängerer mit Batteriebetrieb (z.B. http://www.amazon.de/gp/product/B00492TI9O/ref=oh_details_o01_s00_i00?ie=UTF8&psc=1). Zentral gesetzt erleichtert dieses Teil die Aufnahme enorm. Warum man das braucht kann ich abschliessend nicht beurteilen. Das Capturen und Filmaufnehmen startet wirklich SOFORT nachdem man den entsprechenden Knopf gedrückt hat, dabei läuft das Livebild ungestört weiter, nach  Abschluss einer Aufnahme kann eine erneute Aufnahme erst nach ca. 4 Sekunden gestartet werden. Hilfreich wäre es, die erneute Aufnahmebereitschaft mit zwei Piepsern wieder akustisch anzuzeigen. Die Einheit ist upgradefähig, wenn es eine neue Firmware gibt, kann man diese per USB-Stick aufspielen.

Zeiss liefert die Kamera zusätzlich mit einer Smart-Recording Funktion aus. Dabei werden ständig die letzten 30 Sekunden gespeichert, damit man auch das aufzeichnen kann was in der Vergangenheit geschehen ist. In unserem täglichen Praxisablauf habe ich dafür bisher so was von keine Verwendung gefunden. Wobei Reaktionen von Kollegen recht positiv waren. Am besten vorführen lassen ;-)

Beispielbilder findet man angehängt. Natürlich erreicht ein Full-HD-Frame nicht die Qualität einer dSLR oder einer Mirror-Less. Man schaut 2.1MP gegenüber 16MP an. Wo liegen denn jetzt die wirklichen Vorteile aus unserer Sicht?

1.) plug´n´play. Einstecken, los geht´s. Keine komplizierten Anleitungen, keine Programmorgien Es funktioniert auf Anhieb

2.) vollkommen transparent

3.) einfacherer Workflow

4.) angenehme Kabelführung, kein zusätzliches Gewicht am Pico-Kopf

5.) ziemlich lange gleich bleibende Rausch- und Schwarzwerte, das liegt jedoch an der Kamera

6.) Nur zwei Knöpfe auf der FB nötig, die Recordingeinheit ist auch in der Lage, die gespeicherten Bilder/Filme wiederzugeben und auch zu navigieren.

Es ist also keine separate Abspielstation von Nöten, nicht einmal ein PC. Die komplette Patienten- und Ordnerverwaltung kann über die Box abgewickelt werden. Ob es eine Möglichkeit der Tastaturanbindung gibt, damit man den Patientennamen und Nummer nicht fummelig über eine FB eingeben muss, kann ich nicht sagen. Das Webinterface ist dafür ehrlich angenehmer…..

Richtig Spass macht das Ganze mit einer Bildverwaltungssoftware, bei uns Reveal. Über die Browsersteuerung kann ich direkt aus der Reveal heraus ein Foto aufnehmen oder den Film aufzeichnen, dieser wird direkt Patientenbezogen in Reveal importiert und kann dort weiter bearbeitet werden. Das schöne: ich kann, während der Film im Reveal läuft, mit einer Taste ein Frame capturen. Ich brauche also nicht zwangsläufig eine separate Videosoftware…. aber es reicht mir ein Programm. Die Edit-Funktion ist natürlich nur rudimentär, aber für unseren Bedarf reicht es völlig aus. Wenn wir Filme für Fortbildungen brauchen, werden die in gewohnter Weise woanders bearbeitet…

Fazit:

Für die tägliche Dokumentationsroutine völlig ausreichend. Das schöne ist, mit der Kamera kann man auch in hohen Vergrösserungsstufen ohne grössere Probleme Bilder machen, die noch verwertbar sind. Das geht mit anderen Lösungen nicht ohne weiteres.

Bilder mit dem Mikroskop aufzunehmen funktioniert inzwischen recht reproduzierbar und zuverlässig. Das ist weniger eine Frage der Technik. Die Bequemlichkeit und ein simpler Workflow ist IMHO vielmehr eine Frage der Bildverwaltungssoftware. Wenn alles einfach läuft, wird man auch standarisiert dokumentieren können ohne schlechte Laune zu bekommen.

Wer als Einsteiger den Einarbeitungsaufwand und die zusätzlichen Investitionen scheut (und die damit verbundenen Arbeit), macht damit sicher nichts verkehrt. Für diejenigen, die auf 10x5m Leinwänden präsentieren, könnte es nicht reichen. Wobei ich die Bilder letztens mal auf eine 5x5m Leinwand geworfen hatte und so schlecht sahen die dann auch nicht mehr aus ;-)

Vergleicht man die Qualität der gelieferten Bilder mit dem, was weltweit so dokumentiert  und veröffentlicht wird, liegt man mit dieser Lösung in den oberen 30%, ohne den ganzen Aufwand treiben zu müssen, den man mit externen Lösungen hat…. Aber: ob es reicht oder nicht, muss jeder für sich selber entscheiden. Es bleibt zu hoffen, dass man im Laufe der Zeit durch Firmware-Updates mehr rausholt, ich denke da an z.B. HDR, Cross-polarization-Aufnahmen etc. Aber das sind nur Hirngespinste, Möglichkeiten bietet die Einheit zumindest.

Bleibt zum Schluss nur die Frage, warum gibt es denn für das ProErgo nicht auch………….

5 Gedanken zu „Recording von Zeiss

  1. Hallo Oscar,
    alles was du schreibst verstehe ich allerdings nicht. Hört sich trotzdem sehr interessant an. Hast du eine Idee welcher finanzielle Aufwand dahinter steckt?
    Vielen Dank für die umfangreiche Darstellung
    Guido

  2. Hallo Oscar,

    vielen Dank für Deine ausführliche Einschätzung!

    Mich würde jetzt noch interessieren, ob es auch ein Tonaufzeichnungsfunktion gibt? diese stelle ich mir praktisch vor, wenn ich zum Bsp. alleine bin (Helferin krank o.ä.) und einen kompletten Befund aufnehmen möchte. Dann könnte ich später mit Bild und Ton den Befund übertragen.

    Viele Grüße,

    Kevin

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