von Lothar Pröbster
Der Ausfall kündigte sich schon vor einiger Zeit an: Unser Orthopantomograph OP 100, Baujahr 1997, gab immer mal wieder seltsam schabende Geräusche von sich, blieb manchmal stehen, konnte aber durch „Anschieben“ wieder dazu veranlasst werden, die gewünschte Aufnahme zu erzeugen. Zum strahlenschützerischen Glück blieb er immer vor dem Auslösen des Strahlers stehen, so dass kein Patient unzulässig bestrahlt wurde und keine unsinnigen Teilbelichtungen erfolgten. Im Gehäuse fand ich schwarzen Staub, konnte dessen Quelle aber nicht herausfinden. Vor Weihnachten war es dann soweit, vollständiger Stillstand, der Antrieb schien sich festgefahren zu haben, wie ein Auto im Schneehaufen. Bein Abnehmen des Gehäuses fand ich diesmal größere schwarze Partikel, seltsam glänzend, wie Kohle, worauf ich mir erst mal keinen Reim machen konnte. Nach weiterem Studium fand ich heraus, dass an der Stelle, an der das Antriebsrad des Umläufers festsaß, der Belag des feststehenden großen Reibrades defekt war, und das Antriebsrad tatsächlich wie in einem Schlagloch durchdrehte.
Die Ernüchterung war groß, als das herkömmliche Dentaldepot mitteilte, für Geräte dieses Baujahres gäbe es keine Ersatzteile mehr, man könne aber den kompletten Antriebssatz (der auch wesentlich verbessert wäre, sic!) des Folgemodelles einbauen. Kosten des Satzes: 2112 Euro, plus Arbeitskosten, plus Märchensteuer, macht mal grade eben 2868 Euro, was mir verständlicherweise keine große Freude bereitet hat.
Über Google und das Suchwort „Reibrad“ (wie ich auf diesen technischen Fachtermius gekommen, kann ich nicht sagen, denn er war genau der richtige) stieß ich recht schnell (der siebte Eintrag bei Google) auf die Firma Willbrandt KG in Hamburg (www.willbrandt.de), einer Spezialfirma für Reibräder und Gummitechnik. Per e-mail nahm ich Kontakt auf und nach kurzer Schilderung des Problems, wurde mir zugesichert, man wolle gerne prüfen, ob eine Neubeschichtung des Rades möglich wäre. Nun haben wir glücklicherweise ein unkonventionelles 1-Mann-Dentaldepot in Wiesbaden, das mir das Rad ausbaute, so daß ich es nach Hamburg senden konnte. Nach kurzer Zeit kam die Nachricht, ein Aufvulkanisieren eines neuen Gummibelages wäre möglich. Kosten: 200 Euro plus MwSt plus Versand = 245 Euro. Dazu noch die Arbeitskosten für den Aus- und Wiedereinbau: 353 Euro, macht zusammen 598 Euro. 2270 Euro gespart, Google und Fa. Willbrandt sei Dank!!! Das OP 100 läuft wieder einwandfrei, wir mußten zwar vier Wochen ohne OPTG auskommen, was sich aber am Jahresanfang ganz gut organisieren ließ.
BIldlegende: Das Reibrad nach der Neubeschichtung sah aus wie ein Neuteil, perfekt!
