Eine Endovac Alternative !?

von Stefan Klinge

Das Endovac System von SybronEndo war Teil verschiedener Untersuchungen in diversen Journals. Die wirksame Reinigung im apikalen Drittel, im Vergleich zur alleinigen Nadelspülung, wurde dem System bestätigt.
Der komplizierte Aufbau und der relativ hohe Preis haben mich bisher davon abgehalten, dieses System anzuschaffen. Mit relativ einfachen und preisgünstigen Mitteln habe ich versucht, ein dem Grundprinzip vergleichbares Hilfsmittel nachzubauen.
Was man dazu benötigt zeige ich in diesem Video. Dieser Nachbau mag weniger effektiv als das Original sein, doch als Alternative zur simplen Nadelspülung dient es allemal.

11 Gedanken zu „Eine Endovac Alternative !?

  1. Sehr geehrter Herr Klinge,

    zunächst einmal meinen Respekt für Ihre Kreation als Alternative zum EndoVac. Ich habe Ihr Video mit großem Interesse verfolgt und muss gestehen, dass Sie in der Tat einen durchaus wirkungsvollen Nachbau hinbekommen haben.

    Ich kann Ihre Ausführungen allerdings nicht unkommentiert stehen lassen.

    1. Das EndoVac Starterkit mit allem, was man für eine Unterdruckspülung braucht, hat einen empfohlenen Verkaufspreis von 320€. Hier ist sicher auch noch Verhandlungsspielraum bei den Händlern gegeben. Darin enthalten sind sowohl 5 Mikro- als auch 5 Makrokanülen sowie mehrere Schläuche zur Absaugung, Spritzen in zwei Größen (Luer-Lock), 5 Master Delivery Tips.und der Multiple Port Adapter (autoklavierbar)

    2. Den Master Delivery Tip gibt es auch autoklavierbar. Darüber hinaus bietet er eine zusätzliche Absaugung, die die Spüllösung, welche am Kavum austritt, absaugt. Für Arbeiten mit Kofferdam ein nicht zu unterschätzender Vorteil und ohne Kofferdam erst recht!

    3. Makrokanülen sind eine wichtige Voraussetzung, Debrisbrocken aus dem oberen und unteren Drittel das Kanals abzusaugen. Zusätzlich sollte vor Einsatz der Mikrokanüle Ultraschall aktiviert werden, damit die verbleibenden Debrisbröckchen die Mikrokanüle nicht zu schnell verstopfen.

    4. Für mich und viele Ihrer Kollegen der entscheidende Vorteil: Die Endspülung, welche ja schon ein paar Minuten dauern sollte, um Gewebereste möglichst vollständig aufzulösen, kann mit dem EndoVac durchaus Ihrer Assistenz überlassen werden, denn ein Überpressen ist ja nicht möglich. Garantieren Sie das bei Ihrem „System“ auch?

    Wenn ich davon ausgehe, dass ein Zahnarzt bei durchschnittlicher Praxisausstattung einen Umsatz von 5€ pro Minute machen muss, um nicht nur Kostendeckend zu arbeiten, sondern auch noch einen Gewinn einfahren will, und weiterhin unterstelle, dass die letzte Spülung ca 20 Minuten dauern soll, reden wir hier über einem Kostenfaktor von 100€. Der Einsatz des EndoVacs beläuft sich auf ca 5€ (Mikro- und Makrokanüle, Schlauch (10 x einsetzbar) und Spritze, ebenfalls mehrfach einsetzbar). Bei Ihren Kosten von ca. 1,10€ reden wir hier über eine Ersparnis von 3,90€, die Anschaffungskosten mal außen vor gelassen. Nun müssen wir die 100€ Praxisumsatz gegenrechnen, die der Behandler mit dem EndoVac während der Spülung durch seine Assistenz dem nächsten Patienten in Rechnung stellen kann für die dortige Behandlung, während Sie sich noch mit der Spülung aufhalten. So gesehen bringt der EndoVac den Kollegen einen Vorteil von 96,10€ pro Endo.

    Je nachdem, wie viele Endos ein Behandler im Jahr macht, kann jeder für sich ausrechnen, wie sich die Wirtschaftlichkeit in seiner Praxis gestaltet:-).

    Nichts für ungut Herr Klinge, mein Beitrag ist sicher auch wieder zerpflückbar. Ich habe aber Spaß daran, wenn sich meine potentiellen Kunden mit unseren Produkten auseinandersetzen – was auch immer dabei rumkommt.

    Und damit Sie sehen, dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, habe ich mich entschlossen, Ihnen ein EndoVac Starter Kit zu schenken. Dazu müssen Sie sich nur bei mir melden und ich lasse es Ihnen zukommen.

    Beste Grüße,

    Uli Baum
    SybronEndo

    • Sehr geehrter Herr Baum,

      Vielen Dank für Ihr Feedback.

      Zum Preis: Das EndoVac2 Starterkit ist für 325€ + Mwst. zu haben. Macht also knapp 400€. Das EndoVac2 Complete Installation Kit wird für 713€ +Mwst. angeboten sind also knapp 800€… ganz grob gerechnet.

      Natürlich sind hier noch Kanülen und andere Teile etc. enthalten, die zum Teil dann auch nach Sterilisation wiederverwendbar sind.

      Die Makrokanüle wäre nach Ultraschallaktivierung durchaus mit einer Navitip oder einer größeren Pastenkanüle ersetzbar. Somit wären die größeren Debrisanteile auch problemlos abzusaugen.

      Wenn ich schon eine Behandlung durchführe, für die ein Patient durchaus einen größeren Betrag aus eigener Tasche bezahlen muss, werde ich natürlich diese Behandlung in aller Konsequenz selbst durchführen und einen so wichtigen Teil der Therapie nicht meiner Mitarbeiterin überlassen. Nicht, dass ich meinen Mitarbeiterinnen so etwas nicht zutrauen würde, doch ich denke dass der Patient dies durchaus erwarten kann.
      Zudem sehe ich hier auch ein forensisches Problem… aber das ist ein anderes Thema.

      Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ihr System ist hervorragend untersucht und seine Wirksamkeit international bestätigt. Meine vorgestellte „Alternative“ ist dies nicht und natürlich wird es von mir auch nicht als solche empfohlen. Und doch sind Zahnärzte im Allgemeinen und Endodontologen im Speziellen, immer von einer gewissen Bastelleidenschaft getrieben. Das mag daher rühren, dass wir es immer wieder mit unvorhersehbaren Komplikationen, oder besser, Eigenarten der dentalen Anatomie zu tun haben.

      Lieber Herr Baum, seit langem bin ich ein SybronEndo Fan, benutze das Elememts Unit jeden Tag, uns es hat mich bis heute noch nicht ein einziges Mal im Stich gelassen. Es freut mich, dass Ihnen der Beitrag gefallen hat, doch ihr Angebot muss ich leider dankbar ablehnen. Ich möchte Sie aber bitten, Ihr Geschenk doch auf der nächsten Jahrestagung der DGET als Preis für die beste Nachwuchspräsentation auszuschreiben. Wäre das nicht eine tolle Sache?

      Es grüßt Sie herzlichst

      Dr. Stefan Klinge
      Kiel

      • Hallo Herr Klinge,

        vielen Dank für Ihr Feedback und natürlich haben Sie mit all Ihren Ausführungen eine schöne Alternative geschaffen. Genauso habe ich das auch verstanden. Für mich persönlich sind solche Erfahrungsberichte auch sehr wichtig, denn nur so kann ich verstehen, was meine geliebten Endodontologen denken, fühlen und antreibt. Nur wenn ich begreife, was wichtig für Sie und Ihre Kollegen ist, kann ich entsprechend reagieren bis hin zu Anregungen in meinem Unternehmen.

        Lassen Sie mich noch kurz etwas zur Einbeziehung der Assistenz sagen: Aus Sicht eines Patienten, der ich ja auch bin, ist es mir vollkommen egal, ob der Behandler oder die Assistenz die Spülung vornehmen. Aus Sicht des Unternehmers allerdings kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen, dass viele Assistentinnen die Augen rollen, wenn sie hören, dass eine Endo ansteht. Oftmals sitzen sie während der gesamten Dauer mit der Absaugung dabei und dürfen kaum anderes tun. Aus vielen Gesprächen mit Assistentinnen weiß ich, dass sie vor Langeweile fast sterben…..

        Ihre Mitarbeiter sind Ihr wichtigstes Hab und Gut. Neben deren Gesundheit leben Sie als Unternehmer vor allem von deren Motivation. Und die steigt mit zunehmender Verantwortung, die ihnen übertragen wird. Ich will niemanden belehren, wie er mit seinen Mitarbeitern umzugehen hat, aber zu meinen Aufgaben gehört eben auch, die Wirtschaftlichkeit der Praxis zu steigern. Und die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist ein exorbitant großer Faktor!

        Vielen Dank für Ihre Idee, den EndoVac als Preis für die beste Nachwuchspräsentation der DGET zur Verfügung zu stellen. Ich nehme sie dankbar auf und werde mit Carsten Appel nächste Woche bei seinem Endo intensiv Kurs darüber sprechen. Eine wirklich tolle Idee von Ihnen.

        Es grüßt Sie ganz herzlich,

        Uli Baum

  2. Realität ist, man muss sparen.
    Schöne Rechnung, leider wohl unrealistisch.
    Man muss keine 20min spülen, es kommt auf die dauerhafte einwirkzeit während der Behandlung an. Eine abschlussspülung ist besser ultraschallaktiviert. Endovac und die Alternative hier haben nicht die gleichen Einsatzmöglichkeiten.

    • Sehr geehrter Herr Xyz (gut, dass ich Ihren Namen nur schreiben und nicht aussprechen muss;-)),

      ich schrieb ja schon, dass mein Beitrag durchaus zerpflückbar ist….

      Was die Spülung angeht, so gibt es sicher verschiedene Auffassungen. Ich bin seit fast drei Jahren für eine Firma tätig, die sich ausschließlich mit Endo befasst. Und ja, ich bin vollkommen infiziert von diesem Thema. Meine Erfahrung ist, dass die Endodontologen die Spülung sehr ernst nehmen. Aufgrund meiner Tätigkeit und der damit verbundenen „Prägung“ durch die Spezialisten (ich habe das wahnsinnige Glück, viele führende Endodontologen persönlich kennen lernen zu dürfen) messe auch ich der Spülung einen hohen Faktor bezüglich des nachhaltigen Erfolges einer Wurzelkanalbehandlung bei.

      Tatsache ist in jedem Fall, dass man mit einer im Kanal verbleibenden NaOCl-Lösung eine vielfach längere Zeit benötigt, um denselben Effekt wie bei einer ständig erneuerten Lösung zu erzielen, ganz egal, wie oft und womit diese aktiviert wird.

      Gianluca Gambarini hat dies in einem schönen Experiment mit einer Garnele veranschaulicht, wobei er eine Garnele in einer Lösung, die ständig aktiviert, aber nicht erneuert wurde, hat liegen lassen. Wenn ich mich nicht täusche, war nach 24 Stunden ungefähr noch die Hälfte des Körpers vorhanden, während bei der ständig erneuerten Lösung nach 60 Minuten nichts mehr zu sehen war.

      Ob ich die Zeiten jetzt noch richtig in Erinnerung habe vermag ich nicht mit Gewissheit zu sagen; es war auf jeden Fall sehr beeindruckend. Und wenn Sie weitergehendes Interesse an diesem „Experiment“ verspüren, bin ich gerne bereit, den Film aufzustöbern und hier einzustellen.

      In diesem Sinne und beste Grüße,

      Uli Baum

      • Hallo und Danke nochmal für die Mühe mit dem Video. Wären Sie vielleicht so freundlich und würden auch den kompletten Namen der 10cent Spülkanüle veröffentlichen, meine Suche z.B. bei Aera-Online ergab kein Ergebnis.

        Ist der Einsatz von CHX am Anfang der Behandlung nicht riskant wenn man später noch NaOCl einsetzen will?

        Danke und Gruß,

        Gregor

  3. Herr Klinge, wären Sie so freundlich und könnten den Bestellnamen für die 30 Gauge Spülkanüle hier veröffentlichen, meine Suche z.B. bei Aera-online.de war leider nicht erfolgreich. Auch noch die Frage zum Einsatz von CHX: sollte es nicht immer erst am Ende benutzt werden um die Wechselwirkung mit NaOCl zu vermeiden? Danke und Gruß, Gregor

    • Gerne:

      Endo Luer-Spülkanülen 0,3x23mm grün Firma Transcodent.

      Es handelte sich in diesem Fall um einen 12, der einen großen apicalen Prozess aufzeigte. Nicht selten ergibt sich bei einem solchen Befund auch eine mehr oder weniger fortgeschrittene Resorption der Wurzelspitze. Nun war dieser Zahn sehr lange offen und nur mit Ledermix, Calxyl …. und Watte „verschlossen“. Wenn ich nun mit NaOCl munter drauf los spüle, überpresse ich dies evtl. da der Apex weiter offen ist als angenommen… mit den bekannten Komplikationen. Daher behandle ich solche Zähne erst einmal mit CHX, um dann per Mikroskop und ELM zusehen was da am Apex los ist. CHX und NaOCl vertragen sich nicht, das sehen Sie vollkommen richtig. Daher wird eine Zwischenspülung mit Alkohol vorgenommen.

      Schönes WE

      Stefan Klinge

      • Hallo Herr Klinge,
        danke für die Benennung, ich hatte mich schon als geistig verwirrt eingestuft das ich die 30gauge (0.25mm) Spülkanüle nicht finden konnte, aber die Größenangabe 0,3mm sorgte dann für den „AHA“ Effekt…Danke und viel Spass weiterhin beim finden von „praktischen Lösungen“!

        Gruß Gregor

        PS: Was spricht als erste Spüllösung in solchen Fällen eigentlich gegen Zitronensäure in geringer Konzentration? Die Erosionsfrage (schädlich langfristig ja/nein) ist zwar noch nicht geklärt, aber Calxyl kriegt man damit gut weg…

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