Eigentlich wollte ich weiter von der Behandlung des Oberkiefer-Prämolaren 15 mit den apikal gespreizten Wurzelenden berichten.
Stattdessen möchte ich erzählen, was mir heute widerfahren ist.
Die erste Instrumentenfraktur für dieses Jahr.
Bei meinen Vorträgen gebe ich ja immer folgende Zahlen an: Seit 1996 pro Jahr jeweils 0 – 2 Instrumentenbrüche. Bei Null wars ein gutes Jahr, bei zwei Frakturen ein schlechtes. Hat (bis auf einen Ausreisser, sage und schreibe 4 Frakturen!) immer geklappt.
Daher ärgerlich der Fall von heute.
Stark gekrümmte Wurzeln, stark gekrümmte Wurzelkanäle, mesiobukkal im Röntgenbild die Situation gut sichtbar. Was man hingegen nicht sieht – die starke apikale Krümmung der distobukkalen Wurzel. Aber viel schlimmer aber – die extrem engen Kanäle (viel mehr, als man von der Röntgenaufnahme vermuten würde). Und das brutal harte Dentin. Dennoch gelingt es in wirklich mühsamer Handarbeit in der ersten Sitzung, Patency im mesiobukkalen Kanal herzustellen. In der zweiten Sitzung dann zunächst die finale Aufbereitung des palatinalen Kanals, gefolgt vom mesiobukkalen Kanal. 6er, 8er 10er Handinstrument, dann eine Flexmaster 15.04 maschinell reziprok. Danach die Wave One Gold gelb (20), alternierend mit der VDW Reciproc 25 im Sinne eines Step Down Approachs, weil die Wave One Gold gelb von alleine nicht nach apikal geht. Finale Aufbereitung mit der Wave One Gold Medium (35.06).
Dann der distobukkale Kanal. Schwierige Handinstrumentation. Patency. Flexmaster 15.04 reziprok auf Apexlänge. Wave One Gold Gelb auf Apexlänge – 0.5 mm. Rekapitulation mit einer ISO 10 Handfeile. Nicht auf Apexlänge. Okay, alles klar. Blick durchs OPM bestätigt, die Wave One Gold gelb ist 2.5 mm kürzer als normal. Ohne Vorwarnung. Ich möchte Klaus Kinski mäßig ausrasten , aber ich behalte meine Frustration vornehm für mich und leide still vor mich hin. Kurzer Blick auf die Wave One Gold grün – auch diese ist aufgedreht ! Hätte auch schon im mesiobukkalen Kanal passieren können, die Instrumentenfraktur. Glück gehabt ? Naja :-(
Der mesiobukkopalatinale Kanal, der initial engste von allen, lässt sich vergleichsweise einfach aufbereiten, vorsichtshalber jedoch mit vollkommen neuen Instrumenten. Vermutlich ein Vertucci Typ II (2:1). Die Einprobe der Masterpoints zeigt jedoch, wir haben es mit einer Vertucci Konfiguration Typ IV (1-1) zu tun.
Anbei die Masterpointaufnahme.

Danke für den authentischen Bericht. K(laus)K(inski)A(usraster) – neues Wort in unserer Praxis.
Hatte ich letztens auch beim Betrachten eines Röntgenbildes.
Kenne ich auch nur zu gut.
An welcher Stelle teilen Sie es denn dem Patienten mit?
Komischerweise bricht die R25 (mein Arbeitspferd) nie.
Wenn eine bricht immer die gelbe Wave One.
LG
Die R 25 bricht nie, das seh ich auch so.
Deshalb habe ich mir den Begriff Arbeitspferd im Zusammenhang mit der R 25 lizenzrechtlich schützen lassen ;-)
Die R25 wäre hier aber vermutlich nicht runter bzw. um die Ecke gegangen.
Das ist das Dilemma.
Die Aufklärung über den Instrumentenbruch erfolgte im Aufklärungsgespräch nach der Behandlung an Hand des Röntgenbildes.
Für dieses Jahr fange ich mal auch eine Liste an mit Abgebrochenen Instrumenten.
Ist bestimmt eine interessante Statistik
Danke für den ehrlichen Bericht.
Bei mir hat die HyFlex EDM 20/05 die WaveOne Small abgelöst. Schärfer und flexibler, gefühlt frakturresistenter.
Danke für den ehrlichen Beitrag.
Eine Frage: Flexmaster 15.04 reziprok = Morita Tri Auto ZX 2 im OTR Modus?
Nein, nicht OTR-Modus, sondern im OGP – Modus, der ist wirklich reziprok.