von Hans – Willi Herrmann
Auf den VDW Eddy – eine schallaktivierte Polyamid – Spülspitze – treffen beide Kriterien zu, die seine Nennung im Adventskalender rechtfertigen. Er kann etwas besser als alles bisherig Verwendete und kommt daher obligat in jedem Fall in unserer Praxis zur Anwendung.
Was kann er besser ?
Die Aktivierung von Spülflüssigkeiten ?
Hier ist die viel beschworene wissenschaftlich untermauerte Evidenz gefragt, diesen Punkt zu klären. Ich als Praktiker kann nur anführen, dass die Flüssigkeiten in Wurzelkanal und Pulpacavum so ordentlich durcheinandergewirbelt werden, dass es zumindest rein subjektiv mit den bisherigen Varianten locker mithalten kann.
Definitiv besser ist aber folgendes: Die Kunststoffspitze macht keine negativen Veränderungen der Kanaloberfläche und sie bricht bei Benutzung so gut wie nie, demnach wesentlich, wesentlich weniger und ist daher wesentlich, wesentlich sicherer als die bis dato so hochgelobten und teilweise diese Eigenschaft im Namen tragenden, aber diesem Anspruch nicht gerecht werdenden Metallspitzen.
Schon mal versucht, solch ein dünnes Metallfragment aus einem vollständig präparierten und vielleicht sogar apikal offenen Wurzelkanal zu entfernen ?
Allein diese Problematik rechtfertigt schon den Einsatz des Eddys.
Woher aber weiss ich so genau, dass der Eddy in dieser Hinsicht deutlich besser ist als alles bisher dagewesene ?
Weil die Idee für den Eddy keine neue ist.
Winfried Zeppenfeld sprach darüber schon vor mehr als 7 Jahren und präsentierte einem überschaubaren Kreis von Kollegen auch als proof of concept eine Anleitung zum Selbstbau, die dementsprechend fleißig genutzt und angewendet wurde.
Kleiner Wermutstropfen.
So schön und praktisch es ist, nun eine industriell gefertigte Variante zu haben, in zwei Aspekten schlägt die DIY- Variante ihren professionellen Nachfolger: Die Materialkosten betrugen nur ein Drittel oder ein Viertel des Eddys und der Prototyp war sterilisierbar und demnach etliche Male wiederverwendbar.
Disclaimer
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Moin Ha – Wi,
vielen Dank für deine Einschätzung! Zu deinem Text möchte ich gerne zwei Dinge ergänzen.
1.) Damit die Spitzen im Alltagsgebrauch wirklich nicht brechen, ist es wichtig, EDDY erst zu aktivieren, nachdem die Spitze des Instruments im Wurzelkanal ist und außerdem, die Aktivierung zuerst zu beenden und die Spitze danach wieder aus dem Wurzelkanal herauszuziehen. Wird EDDY an der Luft ohne Begrenzung der Amplitude durch die Wand des Wurzelkanals aktiviert, so bricht das Instrument sehr schnell ab.
Zur Information füge ich ein einen Link zu einem YouTube Video bei:
https://www.youtube.com/watch?v=9E1Umtl4R7E
2.) Du hast kürzlich geschrieben, dass die Entfernung von Calciumhydroxid aus dem Wurzelkanal mit EDDY suboptimal läuft. Das deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen. Wichtig erscheint mir allerdings, bei der Entfernung von Calciumhydroxid permanent Natriumhypochlorit in das Pulpenkavum zu träufeln, um immer eine Zufuhr von frischer Flüssigkeit zu haben, die das Calciumhydroxid verdünnt. Die assistierende Mitarbeiterin träufelt Hypochlorit mit einer Hand ins Kavum und saugt den Überschuss mit der anderen Hand mit einem Speichelzieher ab.
Herzliche Grüße aus Flensburg und dir und allen Lesern und Autoren von Wurzelspitze frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr,
Winfried
Hallo Winfried,
die Entfernbarkeit des CaOH2 hängt auch bei optimaler Beträufelung mit NaOCl maßgeblich vom Präparat, der Art der Applikation und der Liegedauer ab. Ich verwende häufig CaOH2 als längerfristige Einlage für 12 – 16 Wochen und nach dieser Zeit ist das CaOH2 sehr häufig von relativ fester Konsistenz.
Herzliche Grüße
Ha -Wi
Moin Ha – Wi,
ich benutze Ultracal, lasse es in der Regel 3-6 Wochen liegen und sehe keine Reste, wenn ich beim Entfernen beschalle und kontinuierlich Flüssigkeit zuführe und zwischendurch ein oder zweimal absauge.
Gruß,
Winfried
Wie lange sollte der Eddy pro Kanal diesbezüglich eingesetzt werden, um sicher eine vollständige Reinigung zu erzielen ?
Jeweils nur wenige Sekunden. Vielleicht liegt aber ein Unterschied darin, dass ich den Kanal nicht trockne, bevor ich Ultracal einbringe (und anschließend mit Eddy aktiviere zur optimalen Verteilung). Das Löslichkeitsprodukt des Calciumhydroxids ist ja so gering, dass eine wässrige Suspension völlig ausreicht. Ich bekomme keine Erhöhung des pH-Wertes, wenn ich mehr Calciumhydroxid in den Kanal stopfe.
Gruß,
Winfried
PS: Aus http://www.chemieunterricht.de/dc2/mwg/mwg-caoh.htm
„Das Löslichkeitsprodukt müssen wir aber kennen, denn mit seiner Hilfe können wir berechnen, wie viel Calciumhydroxid sich in einem Liter Wasser löst. Gleich vorneweg: Der Literaturwert für diese Menge ist 1,26 g/l (25 °C) [2].“
Es sollte besser mit Zitronensäure oder EDTA funktionieren, rein theoretisch lösen diese den Calciumbestandteil „an/binden ihn“…
Guten Morgen,
Existiert diese DIY-Anleitung noch irgendwo?
Winfried Zeppenfeld liest hier mit.
Es wäre an ihm, eine solche, nämlich seine Anleitung hier einzustellen.
Von uns hier bei WURZELSPITZE wird es keiner tun, denn wir sind gebeten worden, die Info vertraulich zu behandeln, was wir all die Jahre getan haben und dies auch weiterhin tun werden.
Es wäre aber vermutlich ein Muster ohne Wert, denn die verwendeten Ansätze gibt es nicht (mehr) im Handel, die Produktion wurde (angeblich) eingestellt.
Hallo,
Jetzt würde mich natürlich so eine DIY-Anleitung sehr interessieren.
Zumal ich auf Anfrage bei VDW gehört habe, dass der EDDY ausnahmslos als Turbinenlösung geplant wurde und es keine Bestrebungen gibt das zu ändern, was ich als Behandler ohne Turbinenkupplung am Endo-Arbeitsplatz sehr schade finde…
Mit freundlichen Grüßen
Christoph Mahlke
die Definition als „Einmalinstrument“ hat den Vorteil, das nicht irgendein kluger Kostenerstatter -Mitarbeiter die Rechnung des Patienten nicht erstattet.
Das wäre schön, Herr Wettlaufer,
aber meine Interpretation des §4 Absatz 3 GOZ lässt die Berechnung nicht zu. Falls sie andere verlässliche Infos haben, die Gesetzesgrundlage diesbezüglich betreffend, würde ich mich freuen, wenn Sie dies hier kundtun würden.
Herzliche Grüße
H.W. Herrmann
Moin Ha– Wi,
der Einfach-Satz für die GOZ Position 2420 ist 3,94 € und somit niedriger als die Materialkosten für EDDY. Ich habe es bisher nie berechnet, aber das müsste doch, wenn ich mich recht erinnere, ein Ansatz sein.
Gruß,
Winfried
Zumindest bei einkanäligen Zähnen. Bei mehrkanäligen Zähnen greift dies nicht. In meiner Praxis dürften das mehr als 95 % der Fälle sein.
Aus dem BGH-Urteil vom 27.05.2004 (Az: III ZR 264/03) „Ausgehend hiervon ist die Zumutbarkeitsgrenze mindestens dann überschritten, wenn die Materialkosten den Einfachsatz der zugrundeliegenden Gebühr aufbrauchen. Dessen ungeachtet ist, wenn besonders teure Materialien zur Anwendung kommen, der Abschluss einer Vergütungsvereinbarung, die die Materialkosten hinreichend berücksichtigt, das Mittel der Wahl.“
Hier steht wirklich Gebühr nicht Gebührenposition, sodass du wohl recht hast. Andererseits sollten wir den Hinweis des BGH, Vergütungsvereinbarungen abzuschließen, nicht ignorieren.
Gruß,
Winfried
Hawi, was passiert, wenn Du den Nachfolger sterilisierst? Sofern das Material das mitmacht, spricht m. E. rechtlich nichts dagegen. Es ist unerheblich, ob der Hersteller die Spitze als Einmalartikel deklariert hat. Wenn Du dafür die Verantwortung übernimmst, kannst Du auch Einmalprodukte wiederaufbereiten.
Es wäre sicher hilfreich, wenn die ein oder andere klinische Studie unternommen würde, um zu evaluieren was der Eddy nun im Vergleich zu was tatsächlich besser kann oder nicht.
Und Winfried selbst hat seinerzeit am 28. Februar 2009 eine kleine Bastelanleitung bei Endonews eingestellt.
Polymeransätze, nicht direkt vergleichbar mit den ursprünglich verwendeten Ansätzen, gibt es auch noch auf dem Markt, wenn man denn von Sinn und Nutzen eines Eigenbaus überzeugt sein sollte.
LGM