Meta Biomed Genesys Fill – Erste Erfahrungen

von Hans – Willi Herrmann

Seit 1996 arbeite ich mit maschinellen Nickel- Titan- Systemen.
Und habe in dieser Zeit sprichwörtlich „Dutzende“ unterschiedlicher Systeme eingesetzt.

Aber nur 4 davon haben bis heute einen dauerhaften Platz in meiner Praxis erobern können.  ProFile, ProTaper, MTwo und Reciproc.

Noch selektiver sieht es bei den Geräten für die warme Guttapercha- Technik aus.
Da waren es seit 1999 gerade mal 2 Modelle, die dauerhaft in meiner Praxis zum Einsatz kamen.

Ich schreibe dies, um zu verdeutlichen, dass für mich ein Materialien/Geräte-Wechsel nicht spontan, aus einer plötzlichen Laune heraus stattfindet, sondern das Resultat bewußter und wohlüberlegter Abwägungen darstellt.

MB_Genesys-1Seit kurzem arbeiten wir mit dem Biomed Genesys Fill, einem kabelosen Backfill- Gerät, das wir für die WVC im Sinne zeitgemäßer Schilder- Technik einsetzen. Und vermutlich wäre dies bis heute noch nicht der Fall, wenn, ja wenn nicht  in letzter Zeit unser bisher langjährig eingesetztes Gerät eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten abliefern würde:

Es begann damit, dass das Gerät, welches im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der  manuell betriebenen Obtura – Pistole, die erwärmte Guttapercha motorbetrieben in den Wurzelkanal hineinbefördert, plötzlich mitten im Abfüllvorgang die Extrusion verweigerte. Es schien, als ob die Kraft fehlte, die Guttapercha aus dem Gerät herauszudrücken, sofern ein gewisser Widerstand im Kanal überschritten wurde.

In all den Jahren zuvor war dies nie der Fall gewesen. Im Gegenteil – ein entsprechender Druck auf die Kanüle war bis dato die Gewähr dafür, den Wurzelkanal blasenfrei zu füllen, während gleichzeitig die Kanüle von selbst aus dem Kanal heraustransportiert wurde.

Ein Quercheck mit anderen Geräten gleicher Baureihe, bei denen der Fehler gleichermaßen auftrat,  ließ die Vermutung zu, dass es nicht am Gerät selbst lag, sondern offensichtlich mit den Kartuschen bzw. der verwendeten Guttapercha in Zusammenhang stehen musste.

Weitere Probleme kamen hinzu.
So gab es Undichtigkeiten am Übergang der Kanüle zum Kartuschenkörper, was die (teilweise farbrikneuen) Kartuschen augenblicklich unbrauchbar machten. Es gab Luftblasen in der Kartusche. Kartuschen, die nicht vollständig gefüllt waren, sodaß zum Teil die Kartusche bis zur Hälfte „entleert“ werden musste, um überhaupt erstmalig Guttapercha nach aussen liefern zu können. Last but not least gab es immer wieder basal undichte Kartuschen, so daß  die erwärmte Guttapercha in den Stößelraum des Gerätes austrat.

Auch die Guttapercha selbst wies unterschiedliche Eigenschaften auf: Teilweise war sie so klebrig, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Guttapercha mit der Kartuschennadel und den Pluggern wieder aus dem Wurzelkanal herausgezogen wurde.

Alles in allem sehr unbefriedigende und frustrane Erfahrungen die letztendlich dazu führten, dem Meta Biomed Genesys Fill – Gerät eine Chance zu geben.

Um es kurz zu machen –  wir Alle – meine Mitarbeiterinnen und ich – sind begeistert.

Aber primär eben nicht, wie man vielleicht vermuten würde, weil mit dem Meta Biomed Genesys nun endlich der Traum des „Kabelos Arbeiten“ auch in der Wurzelkanalfüllung wahr geworden ist.

Sondern, viel banaler, weil endlich wieder alles so funktioniert wie gewohnt.
Die Guttapercha ist von ihrer Konsistenz exakt so, wie wir es wollen.
Sie klebt nicht und transportiert die Kanüle selbstständig aus dem Kanal heraus.

Aber natürlich ist auch das Handling des Gerätes, das Arbeiten mit dem Genesys Fill außerordentlich angenehm.
Es liegt gut und ausbalanciert in der Hand, die Übergabe unter dem Dentalmikroskop funktioniert schnell und blind, wie wir es von allen anderen Instrumenten und Geräten gewohnt sind.  Keine Zuleitungskabel, das stört und daher von der Assistenz kunstvoll aus dem Weg gehalten werden muss. Bislang wurde das Backfill- Gerät bei uns im Rücken des Behandlers auf der Hinterkopf- Zeile platziert. Diese zwanghafte Maßregelung, die Positionierung  betreffend, existiert mit dem Genesys nicht mehr.

Das ist, da sind wir uns alle einig – endlich genau so, wie wir uns das schon immer gewünscht haben.

Noch besser – alle Vorbehalte, den Akku- Betrieb betreffend, haben sich bislang nicht bestätigt: Die Aufheizphase des Genesys Fill (es gibt ja auch noch eine Downpack- Variante, das Genesys Pack, die ich jedoch bislang noch nicht getestet habe)  ist erstaunlich kurz. Die Temperatur wird vergleichsweise schnell, zuverlässig und stabil erreicht.  Das Gerät geht nach kurzer Zeit wieder in „standby“, vermutlich aus dem sinnvollen Ansatz heraus,  Akkukapazität zu bewahren. Die kurze Standby- Zeit  ist bei unserem jetzigen kabelgeführten Gerät auch nicht anders, allerdings benötigt dieses – Achtung- hohes Frustpotential – deutlich bis gefühlt unglaublich viel länger, bis es (wieder) die gewünschte Temperatur erreicht hat und damit das Gerät dann endlich den Guttapercha- Vortrieb zur Nutzung freigibt.

Natürlich gibt es aber auch beim Genesys Fill  noch Verbesserungspotential.
Kleinigkeiten, die mir vermutlich nur deshalb so deutlich ins Auge fallen, weil ich so lange und intensiv mit seinem in unserer Praxis etablierten Backfill- Vorgänger gearbeitet habe: Die Kanülennadel dürfte ruhig ein wenig länger sein und der zylindrische Durchmesser des Gerätes bis unmittelbar vor den Gerätekopf erschwert die Zugänglichkeit in wenig zugänglichen Mundbereichen. Auch der weit vorn angebrachte Auslöser bedingt in engen Mundhöhlen schwierigere Einblicke und erschwert das Handling.

Der Inhalt der Kartuschen dürfte in den meisten Fällen für einen Molaren ausreichend sein. Falls jedoch 2 Molaren gleichzeitig zur Wurzelfüllung gelangen, ist eine Kartusche nicht mehr ausreichend.

In allen drei Bereichen hat unser bislang verwendetes Gerät demnach noch leicht die Nase vorn.
Doch was nützt es, wenn grobe Mangel in der Durchführung dazu führen, dass das Gerät weil schwierig kalkulierbar, de facto unbenutzbar wird. Und wenn wir das kabellose Handling in die Waagschale werfen – „Priceless!“.

Müsste ich mich heute für ein Gerät entscheiden, meine Wahl würde auf das Genesys Fill fallen. Es vereint, mit geringen, im Praxisalltag gut zu tolerierenden Nikligkeiten viele Vorzüge unserer Wunschlösung und kommt bislang unserem gewünschten Ideal näher als jedes andere bislang in unserer Praxis getestete Backfill- Gerät.

Disclaimer
Vom Hersteller wurde ein Testgerät sowie 10 Kartuschen kostenlos für die Dauer des Praxistestes zur Verfügung gestellt. Weitere Kartuschen wurden von mir käuflich erworben.
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

9 Gedanken zu „Meta Biomed Genesys Fill – Erste Erfahrungen

  1. Wurde das Gerät direkt über den Hersteller im Ausland bezogen? Welche Anbieter gibt es für diese Geräte in Deutschland? Ich versuche seit der IDS bei dem deutschen Vertrieb ADS mehr Informationen oder gar mal eine Demo zu kriegen, aber außer einem digitalen Flyer und dem empfohlenen Verkaufspreis konnte dort noch nicht mehr präsentiert werden, was ziemlich frustrierend ist weil mein E&Q Master Cordless defekt ist und ich dringend Ersatz brauche ( und dummerweise Sybron auch offiziell das von mir zwischendurch auf eBay günstig gebraucht ersteigerte Touch ’n Heat neben dem System B nicht mehr vertreibt oder mit Ersatzteilen versorgt, und ich heute hoffentlich nach 5 Wochen warten endlich ein neues Netzteil erhalte)… Das Sybron Elements Free war ganz nett im Test, aber die Kartuschenproblematik schwebte immer in meinem Hinterkopf. B&L Alpha war sehr angenehm, aber das Beta Backfill Gerät etwas „krampfig“ in der Hand, besonders nach der Sybron Elements Free Backfill, aber ohne das Meta Genesys mal in der Hand gehabt zu haben kann ich auch hier keine dringend benötigte Kaufentscheidung fällen, und werde weiter zwangsläufig mit „Ultraschall“ warm vertikal arbeiten müssen ( klassisch nach Schilder mit Brenner war mit Lippen“branding“ beim Patienten nicht so toll)…

    Ich würde mich sehr freuen noch mehr Einschätzungen oder Praxistests über das Genesys zu hören ( und natürlich andere Themen 😄), und danke für die Mühen!

    Gruß Gregor S.

    • Wurde das Gerät direkt über den Hersteller im Ausland bezogen? Welche Anbieter gibt es für diese Geräte in Deutschland?

      Das Gerät wurde vom Hersteller bzw. von USA aus zur Verfügung gestellt. Vertrieb in D hat meines Wissens ADS.

  2. Hallo zusammen,
    @ Gregor: Welche Kartuschen-Problematik siehst du beim Elements Free?
    @ HaWi: Wie funktioniert die Kartuschenbestellung, auch über´s Ausland?
    Wie sieht es generell bei den Kartuschen-Systemen aus, wenn man auf BC umstellen will, gibt es da andere Guttapercha (niedriger Schmelzpunkt)?

    Viele Grüße,

    L.

    • Wie funktioniert die Kartuschenbestellung ?

      Ich gehe davon aus, dass der deutsche Vertrieb die Kartuschen liefern kann. Immerhin ist Meta Biomed ja bereits seit einigen Jahren auf dem deutschen Markt über ADS vertreten.

    • Louis, ich hatte das Elements Free zur Probe da und in den zwei behandelten Fällen traten zwei Hindernisse auf: eine Kartusche wurde obwohl noch halb voll als leer „erkannt“, und die bereits erwähnte Klebrigkeit machte die Sache etwas verschwenderisch. Von der Handhabung fand ich es sehr angenehm, nur der Akku machte obwohl vorher zwei Tage geladen in der Molarenendo beim 4 Kanal Probleme und schaltete das Gerät aus…

      Die BC Frage habe ich mir auch gestellt, und rein theoretisch könnte man sicher bei den Sybron Kartuschen den Gummiball unten rausnehmen und ein BC Pellet einlegen und wieder verschließen, aber das Gelbe vom Ei wäre es trotzdem nicht…

      • und rein theoretisch könnte man sicher bei den Sybron Kartuschen den Gummiball unten rausnehmen und ein BC Pellet einlegen

        Für das Genesys Fill gibt es einen Kartuschen-Adapter, in den Pellets gelegt werden können. Ob die BC Pellets passen, müsste ausprobiert werden, ich habe diesbezüglich weder Erfahrung noch Kenntnis.

    • Louis,
      die BC-Pellets sollten bei ca. 150°C verwendet werden. Unbesehen des Systems stellt sich mir aber die Frage der Sinnhaftigkeit, weil es meines Wissens bislang keine Evidenz für die Verwendung trikalzium-silikat basierter Sealer in Kombination mit Warmfülltechniken gibt. Oder irre ich?
      LGM

      • Hallo,
        Mir ist keine Evidenz dazu bekannt, aber eventuell kommt diese ja noch. Gibt es denn überhaupt schon Evidenz zu den sogenannten „biokeramischen“ Sealern?

        • Nun, es gibt da schon einiges, denn derart neu ist dieses Material auch in der Endodontie nicht. Wie dem auch sei, auch die letzten mir bekannten Publikationen sehen kalte Kompaktionstechniken für diese Sealer vor: Camilleri J. Sealers and warm gutta-percha obturation techniques. Journal of endodontics. 2015;41(1):72-8. Shen Y, Peng B, Yang Y, Ma J, Haapasalo M. What do different tests tell about the mechanical and biological properties of bioceramic materials? Endodontic Topics. 2015;32(1):47-85. Full text gerne per PM.
          LGM

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