Schmerzhafte Blockierung

von Ostidald Wucker

Ein Anruf aus einer Überweiserpraxis: „Eine Patientin mit starken Beschwerden braucht noch heute einen Notfalltermin. Röntgenbilder kommen umgehend per Mail.“

Die Patientin bekommt am selben Tag einen Termin. Seit Wochen bestehen die Beschwerden, entstanden nach einer angefangenen Wurzelbehandlung.

Der Zahn 46 wurde bereits in mehreren Praxen behandelt und zeigt starke Aufbissbeschwerden, keinen Loslassschmerz, keine erhöhten Sondierungstiefen. Ein dezenter Palpationsschmerz lässt sich von vestibulär in Höhe der distalen Wurzel registrieren.
Die Nachbarzähne zeigen eine positive Sensibilität auf Kälte. 16 ist ebenso symptomlos.
Die Patientin gibt an, daß in den letzten Behandlungsversuchen die Anästhesie kaum Wirkung zeigte.

Nach Leitungsanästhesie und intraligamentärer Anästhesie gelingt es den Zahn schmerzfrei zu behandeln. Es zeigen sich Verblockungen in der distalen und mesialen Wurzel in allen Kanälen.
Die eingeplante Zeit von einer Stunde als Notfallbehandlung ist nicht ausreichend. Nach 1,5 Stunden haben wir die Blockierungen in der mesialen Wurzel unter Verwendung von Zitronensäure 10% und mit vorgebogenen Kerr – Handfeilen #10 aufgelöst.
Distal konnte kein Ansatzpunkt gefunden werden. Nach einer abschließenden Spülung mit Natriumhypochlorit wurde Kalziumhydroxid appliziert.

Auf telefonische Nachfrage gab die Patientin am nächsten Tag unveränderte, sogar noch verstärkte Beschwerden an. Diese waren auf einen noch bestehenden Fehlkontakt am behandelten Zahn zurückzuführen. Nach entsprechender Korrektur stellte sich Beschwerdefreiheit ein.

Im Folgetermin konnte die Blockierung in der distalen Wurzel mit EDTA 17% (Vista) und Handinstrumenten gelöst werden. Die Aufbereitung Wurzelkanäle erfolgte weiter mit Mtwo und Profileinstrumenten. Die Wurzelfüllung erfolgte in thermisch vertikaler Obturationstechnik. Die Gesamtbehandlungszeit betrug 5,5 Stunden.

Was war Grund der Beschwerden? Wahrscheinlich sind zusammengepresstes Pulpagewebe und infiziertem Debris in den Wurzelspitzenbereichen die Ursache gewesen.

Ein Fall wie gemacht für diesen Blog namens Wurzelspitze…

7 Gedanken zu „Schmerzhafte Blockierung

  1. Hallo Herr Klinge,

    Ihrem Beitrag entnehme ich, dass es Ihr Terminbuch sprengen würde, wenn dieser Patient durch Ihre Tür kommen würde?

    Herr W/D/Bucker,

    sehr schöner Fall! :)

    VG,

    Kaj Todt

    • Hallo Herr Pittrof,
      auf Nachfrage bei Herrn Wucker teilte er mir mit, daß Balancekontakte und Frühkontakte zuerst geprüft werden. Mittels manueller Funktionsdiagnostik, Okklusogrammen, Bruxcheckerfolien, Equalizer oder Frontzahnjig wird in seiner Praxis bei entsprechendem Verdacht auf funktionelle Überbelastungen zunächst weiter untersucht.
      In den vorhergehenden Terminen wurde der Zahn bereits eingeschliffen ohne Linderung der Beschwerden. Nach längeren Terminen mit durchweg geöffnetem Mund und Leitungsanästhesie sind Frühkontakte nicht immer 100% korrigierbar. Insbesondere, wenn ein erhöhter Zeitdruck besteht. Das war hier leider der Fall. Der schnelle Termin war nur durch Verlängerung der Sprechzeiten bei Herrn Wucker möglich.
      Viele Grüße
      Olaf Löffler

  2. Wieder und wieder bin ich beeindruckt von den Fähigkeiten der hier Berichtenden und den Behandlungsresultaten! Aber, wie bekommen Sie es geregelt, bei solch unvorhersehbaren Behandlungszeiten betriebswirtschaftlich und verordnungskonform zu arbeiten? Stundensatzvereinbarungen sind nicht zulässig, also bleibt doch nur der Weg eine wahrscheinliche Maximalzeit zu kalkulieren und dem Patienten glaubwürdig zu versichern, dass es weniger kostet, wenn es nicht so lange dauert? Das grenzt den Kreis der Zustimmenden m. E. schon ziemlich ein; ganz abgesehen von der rechtlichen Wirksamkeit einer solchen Vereinbarung bei einem Schmerzpatienten. Da muß man schon ein ziemlich gutes Standing haben?!
    Beste Grüße
    L. Pröbster

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